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Dieses Thema hat 3 Antworten
und wurde 1.237 mal aufgerufen
 Lustige, lehrreiche und andere Hundegeschichten
Jürgen Offline

Admin


Beiträge: 828

10.08.2006 00:47
Behördengang Zitat · antworten
Habt Ihre Erfahrungen zum Thema Hund und Behörde? Oder habt Ihre schon einmal versucht mit einem Hund das Rathaus in Bayreuth zu stürmen?

Musste ich doch im Rathaus im Einwohnermeldeamt etwas Dringendes erledigen. Urlaub hatte ich sowieso, warum also das Ganze nicht mit einem Hundegang verbinden? Gesagt, getan und losgetigert.

Vor dem Rathaus ausgiebig die Türen inspiziert, Glück gehabt, keinerlei Hinweise auf ein Hundeverbot. Also die Türen zum Steuereinnahmeparadies gestürmt und gleich die Richtung zum Aufzug eingeschlagen. Weit bin ich nicht gekommen, dann trafen mich die gestrengen, ungläubig fragenden Blicke der blonden, zugegebener Maßen, gutaussehenden Infodame.

„Hier können Sie mit Ihren Hunden nicht hinein“ spricht sie mich freundlich an. „Warum“? frage ich zurück. „Das geht nicht“, antwortet sie. „Sie können Ihre Hunde hier anbinden“, weist sie mich an und deutet irgendwo in Richtung hinter der Infotheke. „Das geht nicht“ meine ich daraufhin. „Warum“? fragt sie nun ihrerseits zurück. „Weil ich meine Hunde nicht alleinlassen kann“!

„Wieso denn“? Ihr fragender, ungläubiger Blick verstärkt sich. Man merkt ihr an, dass Sie sich auf eine vermutlich nichts bringende, aber unvermeintliche Diskussion vorbereitet und wie sie in den Tiefen ihrer Hirnwindungen nach den Erkenntnissen des letzten Seminars für Infodamen, über den Umgang mit schwierigen und sich unmöglich benehmenden Steuerzahlern kramt.

„Weil sie nicht alleine bleiben“, säusele ich der immer noch netten Frau zu. Irgendwie hatte ich keine Lust, der Guten zu erklären, dass man in einem Rathaus nie im vornhinein wissen kann, wie lange so ein Verwaltungsakt dauern kann.

Eigentlich sollte sie diese Problematik ja kennen, da sie die Zeitspanne zwischen dem Verschwinden der Ratsuchenden in den Aufzügen und dem Wiedererscheinen aus Selbigen ja täglich erlebt. Das kann ja nicht nur an den langsamen Aufzügen liegen.

„Und was machen wir nun, ich muss dringend da hoch“, rede ich nun weiter, ohne ihre Antwort abzuwarten. Ihr Blick wird noch fragender, ihre Schultern zucken. Sie merkt, dass ihr die so mühsam gelernten Argumente entfallen sind. Vielleicht ist das letzte Seminar doch zu lange her. Ihre Körperhaltung drückt aufkommende Panik aus.

„Selbst ins Rotmaincenter darf ich mit Hunden ohne Probleme hinein“, versuche ich weiter zu argumentieren, wohl wissend, dass man ein Einkaufcenter nicht mit einem Rathaus vergleichen kann. Halten sich doch hier wesentlich weniger Menschen, ohne den für Hunde so gefährlichen, behördlichen Sachverstand auf.

Ich überlege nun , ob ich ihr erklären soll, dass ich es für unverantwortlich halte, Hunde an einen für sie unbekannten Ort, ohne Aufsicht, für eine unbestimmte Zeit alleine zu lassen. Ohne zu wissen, ob sie danach noch da sind, gestohlen oder von irgendeinem Bayreuther Verwaltungsfrustrierten freigelassen wurden oder auf Grund von Verlassenheitsängsten denselbigen in diverse Körperteile gebissen haben.

Dann siegt aber meine christlich-soziale Erziehung, ich bekomme Mitleid mit der überforderten, doch auf friedlichen Ausgang bedachten, Diskussionspartnerin und ich drücke meine Hundeleinen, der mich vorsorglich begleitenden Silke in die Hände. Als ob ich es geahnt hätte.

Nach Erledigung meiner behördlichen Angelegenheiten gehe ich direkt vom Aufzug wieder in Richtung Infotheke, dort erwarten mich die mittlerweile wieder freundlichen, geschulten, wenn auch noch immer fragenden Blicke der hübschen Infodame.

„Könnte ich bitte mal die Hausordnung des Rathauses einsehen“? frage ich höflich. Schließlich muss der Mensch sich ja an behördlich aufgestellte Regeln halten, was ja logischerweise nur mit dem entsprechenden Hintergrundwissen möglich ist.

„Die gibt es nicht“, antwortet die Geduldige.

Nun scheine ich den fragenden Blick zu bekommen. "Woher soll ich denn nun wissen, woran ich mich halten soll", denke ich. In einer Stadt wie Bayreuth, in der es keine verwaltungstechnischen Zufälle gibt, soll es keine Hausordnung für das wichtigste Gebäude im weiten Umkreis geben? Mein Weltbild gerät ins Wanken.

„Und ins Rotmaincenter dürfen auch keine Hunde!“ lächelt mir die Schöne nun süffisant zu.

„Uups“ denke ich nun, habe ich die letzten Jahre ja allerhand falsch gemacht. War ich doch manchmal sogar mit vier Hunden gleichzeitig beim Schlendern im Center, „Gott sei Dank hat mich da niemand erwischt.“

„Kann nicht sein“, bemerke ich etwas gefrustet, „war doch erst mit den Hunden drin.“

„Ja, aber in die Lebensmittelmärkte dürfen die Hunde nicht mit!“ erwidert sie stolz.

„Komisch“, denke ich und es fällt mir wie Schuppen von den Augen, „dass ich da nicht eher darauf gekommen bin. Lebensmittelmärkte und Rathaus ist doch eindeutig genau das gleiche.“

Da werden mir die Ängste der Rathausbediensteten klar. Es ist der Futterneid, der sie zu solchen Verboten treibt. Wenn ganze Hunderudel, auf der Suche nach Nahrung, durch die Rathausgänge streifen und dann auf ebensolche Nahrungssuchenden bzw. gerade Nahrungsaufnehmenden Zweibeiner treffen, dann ist ein gefährlicher Konflikt, mit ungewissem Ausgang für alle Beteiligten vorprogrammiert. Da der Mensch sein Territorium, aus hygienischen Gründen, meist nicht markiert, muss er zu den Mitteln seiner Wahl greifen und die Nebenbuhler einfach aussperren.

„Na ja“ bemerkte ich nun trocken, „in die Lebensmittelmärkte dürfen sie freilich nicht, aber in das Center schon.“ „Und außerdem ist das zur Sicherheit der Hunde, damit sie in den Aufzügen keine Platzangst bekommen“, setzt sie, immer noch freundlich lächelnd und bestimmt nach. Das Seminar muss besser gewesen sein, wie ich angenommen hatte.

Das die im Rathaus so um das Wohl meiner Vierbeiner bedacht sind, mit so viel Verständnis Einfühlungsvermögen und Tierliebe hatte ich wirklich nicht gerechnet. Nun bekomme ich, wegen meiner Anfangs so schlechten Gedanken, auch noch ein schlechtes Gewissen.
Vorsichtshalber habe ich mich dann schnell, von der mir zwischenzeitlich ans Herz gewachsenen, geduldigen, liebenswerten Dame, freundlich und höflich verabschiedet, habe die Leinen mit den dranhängenden Hunden von Silke wieder übernommen und dann sind wir wieder aus dem Rathausmarkt hinausmarschiert.

Wäre alles so einfach gewesen, hätte nur die Hunde daheim lassen müssen. Hätte dann allerdings keinen Grund zum Schreiben gehabt.

Gruß Jürgen
http://www.hundetreff-bayreuth.de
webmaster@hundetreff-bayreuth.de

Christine Offline

Moderator


Beiträge: 733

10.08.2006 01:02
#2 RE: Behördengang Zitat · antworten

endlich mal wieder was zum lachen, hast du sehr gut geschrieben.
gruß christine
Moderator

eMail:Christine@nakuku.de
http://www.nakuku.de/index2.php

Bine Offline

Schreibstubenhund

Beiträge: 249

10.08.2006 10:25
#3 RE: Behördengang Zitat · antworten

Hallöchen!
Tja, deutsche Bürokratie!
Komischer Weise dürfen Hunde von Angestellten bei manchen Behörden aber mit auf die Arbeit genommen werden.

Gruss
Bine

glubschi ( Gast )
Beiträge:

10.08.2006 10:26
#4 RE: Behördengang Zitat · antworten

VOLL DOLL!!!!!
da hilft nur "lächeln und winken" - da staunt der laie und der fachmann wundert sich.
immer wieder ein highlight, behörden in action zu erleben und die geistige starre der
bediensteten live und in farbe zu ertragen - so wie wir.
es war auf jeden fall ein erlebnis, gell, jürgi? *kicher* besonders amüsiert haben mich die
mitleidig lächelnden blicke der vorübergehenden passanten, als ich mit dem kleinen rudel in der
halle saß... *haumichwech*

wir sollten das zum hobby machen und behörden mit hunden belästigen, unsere erlebnisse niederschreiben
und es als satirebüchlein rausbringen - dann haben wir wenigstens noch was davon!

grüßles

das glubschi


Viele, die ihr ganzes Leben der Liebe widmen, können uns weniger darüber sagen, als ein Kind, das gestern seinen Hund verloren hat. T. Wilder

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