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Dieses Thema hat 4 Antworten
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 Wissenswertes über Hunde
Hanneke Offline

Windhund

Beiträge: 118

02.11.2005 15:41
Herdenschutzhunde Zitat · antworten

wie fast alle von euch wissen, habe ich 2 Herdenschutzhunde: Kira, eine Pyrenäenberghündin und Asso-Lino, ein Kuvasz. Herdenschutzhunde sind nicht mit Hütehunden zu verwechseln. Die primäre Aufgabe der Herdenschutzhunde besteht im Schutz und in der zuverlässigen Verteidigung der Herden, sowohl gegen vierbeinige als auch zweibeinige Eindringlinge. Viele Hunde leben alleine mit den Herden und müßen deshalb selbstbewußt und eigenständig arbeiten.
In der Dämmerung und Nachts ist der Schutztrieb besonders ausgeprägt. Grundsätzlich wird alles Fremde innerhalb seines Territoriums zurückhaltend und misstrauisch betrachtet und beim geringsten Gefahr für das Rudel verjagt. Die Strategie liegt aber eher in der defensiven Abwehr.
Das Territorium umfasst nicht nur das eigene Grundstück, sondern auch das weitere sichtbare Umfeld, häufig besuchte Plätze und Spazierwege. Herdenschutzhunde machen auf den Betrachter oft zunächst einen verschlafenen, stoischen Eindruck; Hyperaktivität ist ihnen generell fremd (siehe Kira ). Aber der scheinbar dösende Hund wird in Sekundenschnelle zu einem imposanten und reaktionsschnellen Schutzhund wenn er meint, dass die Situation dies erfordert.
Entsprechend seinem ursprünglichen Aufgabengebiet und den rauhen Lebensbedingungen ist der Herdenschutzhund äußerst witterungsunempfindlich. Kira möchte z.B. im Herbst, Winter, und Frühling immer draußen sein. Sie läßt sich gerne einschneien. Im Haus ist es für sie zu warm und fühlt sie sich unwohl. Asso-Lino dagegen, ist zwar gerne draußen mit ihr, aber, wenn keiner von uns im Garten ist, möchte auch er rein. Er ist eben mehr Personsbezogen.
Zum Thema artgerechte Haltung: damit diese Hunde ihr angeborenes Wach- und Schutzbedürfnis ausleben können, sollte man sie zumindestens in einem Haus mit eingezäuntem Grundstück halten. Dies ist auf keinen Fall als reine Haltung im Garten oder Zwinger mißzuverstehen!! Reine Zwingerhaltung kommt nicht nur bei Herdenschutzhunden Tierquälerei gleich und läßt sie seelisch verkrüppeln. Der freie Zugang ins Haus mit menschlicher Zuwendung und Familienanschluß ist genauso wichtig wie das Ausleben dürfen ihres Wachinstinktes inkl. Lautäußerungen. Natürlich befinden sich im Tierschutz Herdenschutzhunde, die auch ohne Garten glücklich sein können (lieber ein Haus/Familienanschluß ohne Garten als ein Garten ohne Haus/Familienanschluß.
Sowohl bei einem Welpen als einem erwachsenen Hund ist ein hohes Maß an Geduld, Konsequenz und Einfühlungsvermögen gefordert. Zuneigung und Vertrauen müßen regelrecht erarbeitet werden, was sich über mehrere Monate hinziehen kann. Somit sind diese Rassen nur für Menschen geeignet, die bereits Erfahrungen mit Hunden haben und gewillt sind, sich auf diese spezielle Charakterzüge einzustellen. Man muß eben seine Ansichten und den Umgang mit Hunden völlig neu überdenken .
Im Allgemeinen sind Herdenschutzhunde als Spielgefährte für Kinder nicht geeignet und lassen sich für gemeinsame Spielaktivitäten nur schwer begeistern. Natürlich kommt es auf jeden Hund individuell an, inwieweit das rassetypische Verhalten (Schutztrieb, Territorialverhalten und Eigenständigkeit) ausgeprägt ist. Meine Kira ist z.B. mit 3 kleine Mädchen aufgewachsen und liebt Kinder sehr!
Eine Sozialisierung des Hundes macht das Zusammenleben mit ihm wesentlich leichter. Man sollte dem Hund mit möglichst vielen Eindrücken konfrontieren und diese zur Routine werden lassen. Dies gilt nicht nur für Welpen sondern auch für Tiere aus dem Tierschutz.
Durch die hohe Selbständigkeit ist von einer klassischen Hundeausbildung absolut abzuraten. Ich war mit meinen beiden beim Ruckdeschel in Neudrossenfeld. Er hat sich mit dem Verhalten der Hunde beschäftigt und geht entsprechend auf sie ein. Alles was er bis jetzt vorgeschlagen hat, hat funktioniert, man muß nur dran bleiben!. Herdenschutzhunde haben von Natur aus einen hohen Schutztrieb, deshalb sollte von einer Schutzhundausbildung abgesehen werden. Der Schutztrieb wird durch so eine Ausbildung noch verstärkt und somit unkontrollierbar. Eine Gehorsamausbildung in einer geeigneten Schule ist notwendig und ratsam. Man sollte aber im Hinterkopf behalten, dass Herdenschutzhunde keine reine Befehlsempfänger sind; bedingungslose Gehorsamkeit wie bei einem ausgebildeten Deutschen Schäferhund ist einfach undenkbar . Wer also einen "perfekt funktionierenden" Vierbeiner möchte, sollte von der Anschaffung eines Herdenschutzhundes Abstand nehmen.
Es versteht sich von selbst, dass die Hundeerziehung mit Stachelhalsband, Stromschlägen und ähnlichen "Accessoires" noch nicht einmal in Erwägung gezogen werden sollte. Wer einem Herdenschutzhund gegenüber Gewalt anwendet, wird irgendwann seine "Bemühungen" heimgezahlt bekommen. Grundsätzlich gilt: Agieren statt Reagieren, Körpersprache und Mimik als Kommunikationsmittel und vor allem Geduld, Liebe und Konsequenz. Aufgrund seiner Selbständigkeit und der geringen Unterordnungsbereitschaft braucht man oft einen langen Atem und Durchhaltevermögen , aber es lohnt sich!! Grenzen sollten klar gesetzt und Gehorsam gefördert werden, es sollte jedoch genügend Freiraum für eigenständige Handlungen eingeräumt werden.
Ein sehr empfehlenswertes Buch hat Gudrun Beckmann geschrieben. Es heißt "die alten Hirtenhunde". Sehr lustig und lehrreich geschrieben.

Dalmi_Artus Offline

Windhund


Beiträge: 123

02.11.2005 18:53
#2 RE: Herdenschutzhunde Zitat · antworten

Aha, also ihr seid das
als ich letzten Freitag in der Hundeschule war, hat uns Herr R. genau das erzählt, was du hier gepostet hast. Aufhänger war, dass er zu der Zeit einen 6Monate alten türkischen Herdenschutzhund zur Betreuung da hatte und den uns mal gezeigt hat. In dem Atemzug hat er auch erzählt, dass er z.Z. eine Familie mit einem Herdenschutzhund in Ausbildung hat.

Finde ich toll, dass du dir die Mühe gemacht hast, diesen sehr informativen Bericht hier zu tippen. Ich bin mir sicher, dass es nicht viele Hundehalter gibt, die über den Unterschied von Hirtenhund und Herdenschutzhund bescheid wissen.

Gruß, Clemens
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Hanneke Offline

Windhund

Beiträge: 118

03.11.2005 08:05
#3 RE: Herdenschutzhunde Zitat · antworten

Danke für die Blumen !
Der Hund beim Ruckdeschel muß dann ein Kangal sein. Diese Rasse ist noch sehr "pur" und eigensinnig und selbständig im Quadrat. Schau mal bei http://www.proherdenschutzhunde.de unter aktuelle Notfälle/Kangal. Da kriegst mit dem Schrecken zu tun. Die meisten Leuten kommen nicht mit dieser Rasse zurecht. Solche Hunde sollten bleiben wo sie her sind, finde ich.
Grüße, Hanneke

Dalmi_Artus Offline

Windhund


Beiträge: 123

03.11.2005 19:46
#4 RE: Herdenschutzhunde Zitat · antworten

Leider kann ich die Seite nicht öffnen hab schon mehrere Versuche unternommen.. Ja, du hast recht, das war ein Kangal.
Ich denke es ist egal, was der Hund für eine Rasse hat - manche Menschen kommen mit keinem zurecht und behandeln ihn nicht artgerecht.
Der Herr R. hat gesagt, dass es aufgrund des schwierigen Charakters nur noch sehr wenig Züchter gibt. Solche Hunde brauchen eben wirklich ein Territorium, das sie bewachen können und eine feste Hand.
Veränderungen bewegen die Welt - jeder sollte dazu beitragen!

Christine Offline

Moderator


Beiträge: 733

04.11.2005 10:14
#5 RE: Herdenschutzhunde Zitat · antworten

In Selb gibt es mehrere Kangals, teilweise aus der Türkei und teilweise hier gezüchtet. Sie sind alle sehr umgänglich und können sogar frei laufen, hab ich schon öfter getroffen, ohne Probleme. Aber die Leute kennen sich halt auch aus und wissen, daß Gewalt da total fehl am Platze ist, mal abgesehen davon, daß man mit Gewalt bei keinem Hund wirklich was erreicht.
VlG Christine
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